Donnerstag, 23 April 2020 21:17

Feedback der ersten drei Home-Schooling Wochen

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Kurz vor Ferienbeginn bat der EBR über die Klassenelternsprecher um ein Feedback zu den 3 Wochen des Home-Schoolings seitens aller Eltern. Uns erreichten daraufhin zahlreiche Rückmeldungen, die wir hier zusammenfassen.

Ganz herzlich möchten wir uns für die zahlreichen und ausführlichen Rückmeldungen zu unserer Umfrage bedanken.

Wir hoffen, damit ein paar konstruktive Gedanken und Anregungen weitergeben zu können, um die kommenden Wochen so angenehm und produktiv für alle Beteiligten gestalten zu können!

Euer
Elternbeirat

Allgemeine Stimmung / allgemeines Feedback

  • Familien und Lehrer wurden von den Schulschließungen gleichermaßen „überrumpelt“. Es herrscht allgemein ein sehr großes Verständnis für diese bislang unbekannte Herausforderung, die auf die Schnelle viel Improvisation von allen Seiten erforderte. Das Feedback, das den EBR erreichte, lobt das große Engagement, die Flexibilität, Kommunikationsstärke, Kreativität und auch Kritikfähigkeit seitens aller Lehrkräfte und sieht das enorme Bemühen, das Beste aus dieser Situation zu machen und aus den Erfahrungen zu lernen! Diesem großen Dank und der Anerkennung möchten auch wir als EBR uns anschließen!
  • Für einen Großteil der Eltern waren die ersten Wochen des Home-Schoolings bisher indes extrem belastend und stressig.
  • Es ist für die Eltern oft sehr schwierig, allen Bedürfnissen ihrer Kinder (oft in sehr unterschiedlichem Alter) und ihren eigenen beruflichen Anforderungen gerecht zu werden.
  • In vielen Familien (insbes. bei den jüngeren Kindern) hängt der Lernfortschritt sehr vom möglichen Zeitaufwand der Eltern ab!
  • Die Kinder (und Eltern) sind teilweise sehr verunsichert, was erwartet wird, wie mit der Erreichung der Ziele aus den Lehrplänen umgegangen wird, wie der Anschluss im kommenden Schuljahr funktionieren soll etc. (Bei allen Rückmeldungen, die wir hier zusammenfassen, sollte man nicht vergessen, dass wir hier sicher nicht von allen Eltern Feedback bekommen haben, insbes. nicht von denen, die starke Schwierigkeiten mit der aktuellen Lehr-/Lernform haben!)
  • Viele Schüler tun sich mit der Motivation und Konzentration daheim schwer, insbesondere, je länger die Situation anhält. Wichtig ist, dass auch die schwächeren Schüler im schwierigeren Familienumfeld nicht auf der Strecke bleiben oder das Gefühl haben, abgehängt zu werden!
  • Nicht in jeder Familie hat jedes Kind zu jeder Zeit Zugriff auf PC/Drucker, hier hat im Zweifel der „Ernährer“ Vorfahrt. Die meisten Familien, von denen Rückmeldungen kamen, scheinen sich aber einigermaßen mit der Technik arrangiert zu haben. Dennoch sollte dies bei festen Abgabeterminen etc. berücksichtigt werden.
  • Wochenenden und Ferien sollten als lernfreie Zeit beibehalten werden!

Was bisher sehr gut lief und beibehalten werden sollte

  • Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten funktioniert Mebis nun ziemlich gut
  • Viele Lehrer korrigieren die Aufgaben der Schüler individuell – dies und ein persönliches Feedback der Lehrer an die Schüler war extrem hilfreich/motivierend und gibt auch den Lehrern Feedback über den Stand der Schüler
  • kleine Lehrvideos waren sehr hilfreich
  • Online-Unterricht kam sehr gut an (hier über Skype), ebenso kurze Erklärvideos, Audiodateien etc.
  • Die Menge der Aufgaben war insgesamt gut bemessen. Die Aufteilung in Wochenpakete war sehr hilfreich.
  • Die bisherige Zeit wurde auch genutzt, um Stoff zu wiederholen und zu vertiefen
  • Bei Fragen an die Lehrer kam immer umgehende Rückmeldung, sie reagierten auch auf Rückmeldungen zu Arbeitspensum etc. und passten ihre Anforderungen umgehend an
  • Viele Lehrer griffen die Ängste der Schüler (wie geht es weiter, was wird erwartet …) auf und konnten die Situation dadurch entspannen
  • Viele der unten aufgeführten Anregungen wurden von zahlreichen Lehrern bereits aufgegriffen und umgesetzt, hier hat sich im Verlauf der bisherigen Wochen sehr vieles verbessert
  • Der hohe Einsatz und Arbeitsaufwand der Lehrer, so kurzfristig mit den neuen Herausforderungen klarzukommen und Anregungen zu Verbesserungen aufzunehmen, wurde von allen Eltern sehr honoriert!!!

Verbesserungspotentiale und Anregungen

Hier ragen zwei Punkte ganz deutlich aus den Rückmeldungen heraus:

  1. Die Konzentration auf einen (max. 2 Kanäle), über den Arbeitsaufträge kommen (Mebis und ggf. Mail an die Schüler)
  2. Die Zusammenfassung der Arbeitsaufträge in Wochenplänen, die bereits vor Montagmorgen bei den Kindern sein müssen, damit diese daraus, ggf. mit Unterstützung der Eltern, einen strukturierten Arbeitsplan für die Woche erarbeiten können.

Die Infos und Arbeitsaufträge müssen über einen einheitlichen Kanal ankommen!

  • Infos kamen über zahlreiche verschiedene Wege an (Mebis, Elternportal, Mail, div. Chat-Kanäle…) – das ist schnell unübersichtlich, insbesondere bei mehreren Kindern (v.a. im Elternportal verliert man hier sehr schnell den Überblick!)
  • Kinder sollten alle Infos selber abrufen können und einen Überblick haben, was in den einzelnen Fächern gefordert ist (also nicht über Elternportal oder Mailadresse der Eltern)
  • Alle Lehrer sollten die gleichen Medien / Kanäle nutzen
  • Die Anforderungen sollten pro Fach übersichtlich und strukturiert in Mebis eingestellt werden, mit genauen Angaben, was bis wann verbindlich zu erledigen ist, was in welcher Form an die Lehrer zurückgeschickt werden muss, was freiwillig / unterstützend / vertiefend gemacht werden kann
  • Es sollten für jedes Fach auch alle Arbeitsblätter, Hefteinträge etc. übersichtlich abgelegt werden

Erstellung von Wochenplänen ist sehr hilfreich zur Einteilung des Stoffs.

  • Dazu sollten alle Lehrer für ihre Fächer auch jeweils zum Ende der Vorwoche (oder spätestens Sonntagabend) alle Aufgaben für die Folgewoche schicken, damit die Schüler sich (ggf. zusammen mit den Eltern) einen Plan erstellen und die Aufgaben sinnvoll einteilen können (auf keinen Fall Aufgaben für 3 Wochen schicken!). Die Kinder haben so auch das Gefühl, dass sie zum Ende der Woche etwas erreicht und geschafft haben – solange jeder Lehrer seine Aufgaben zu unterschiedlichen Terminen schickt, kommt schnell das Gefühl auf, nie fertig zu werden!
  • Ggf. kann ein Klassenlehrer auch alle Arbeitsaufträge für alle Fächer gesammelt weiterleiten, um so einen Überblick zu haben, wie gefordert die Schüler insgesamt sind (insbes. für die unteren Klassen)
  • Klare Termine zur Abgabe von Hausaufgaben stellen, diese tatsächlich einfordern/korrigieren und dann auch persönliches Feedback (per Mail) geben – das ist extrem hilfreich für die Schüler
  • Häufig ist es für Eltern hilfreich, wenn die Lösungen zu den Hausaufgaben gleich mitgeschickt werden, da sie so besser unterstützen und erklären können. Aufsätze, Mediations etc. sollten vom Lehrer individuell korrigiert werden
  • Insbes. die jüngeren Schüler tun sich schwer, Aufgaben im Word-Format abzugeben (hier tippen dann die Eltern oder die Aufgabe dauert 3 Stunden statt 30 Minuten!) – bitte auch Fotos / Scans zulassen
  • Vokabellernen fällt vielen Kindern im Moment schwer – Anregungen zu Liedtexten, Hör-/Lesetexten wären für manchen hilfreich

Verstärkte und regelmäßige Nutzung von Online-Medien:

  • Lehrvideos zur Erklärung des neuen Stoffs oder zum Überprüfen der Hausaufgaben.
  • Ggf. ergänzend ein Foto von „Tafelbild“ an die Kinder schicken, das als Hefteintrag übertragen werden soll (Videos haben im Vergleich zu Videokonferenzen den Vorteil, dass sie zu jeder Tageszeit genutzt werden können – nicht jeder hat immer Zugriff auf einen PC!)
  • Videos könnten auch für die gesamte Jahrgangsstufe genutzt werden, muss nicht für jede Klasse extra gemacht werden. Oder konkrete (!) Hinweise auf bestehende Lehrvideos im Netz statt eines Videos verwenden
  • Sammlung von Fragen der Schüler und Erklärung im Video / Videochat, damit dies allen Schülern zugutekommt.
  • Nutzung der Möglichkeit von Webinaren

Weiteres Feedback:

  • Kommunikation von festen Zeiten, zu denen Lehrer telefonisch, per Skype oder Mail von den Kindern kontaktiert werden können (z.B. zu den Zeiten des Stundenplans)
  • Konzentration sollte auf den Hauptfächern liegen – bei den Nebenfächern sollte man sich aktuell aufs Nötigste beschränken bzw. freiwillige Anregungen geben, z.B. auch der Kunstwettbewerb (auch eine kurze Info, dass für ein Fach nichts an Anforderungen kommt, ist eine sehr befreiende Info für die Schüler!)
    Anregungen für Sport-Workouts daheim sind gewünscht!
  • Tipp: Unter www.corona-school.de werden ehrenamtliche Studenten etc. vermittelt, die Schüler helfen, Verständnisprobleme aufzuarbeiten. Derartige Angebote sollten verstärkt kommuniziert werden, damit schwächere Schüler nicht zurückbleiben – hierauf könnten die Lehrer ggf. einzelne Schüler hinweisen

Wie geht es den Kindern mit der Kontaktsperre?

  • Kontakte laufen derzeit v.a. über Social Media / Telefon – aber der persönliche Kontakt fehlt vielen sehr. Viele Kinder ziehen sich sehr zurück und werden fast ein wenig depressiv / lustlos / unmotiviert.
  • Viele Kinder haben Geschwister, für die sie derzeit sehr dankbar sind – aber hier gibt es auch Streitpotential, das für Eltern zur zusätzlichen Herausforderung wird
  • Viele Familien haben die Möglichkeit, einen Garten zu nutzen o.ä. Daher geht es uns auf dem „Land“ noch vergleichsweise gut
  • Insgesamt kommen die Kinder einigermaßen gut mit der Situation klar (wobei Eltern permanent das Gefühl haben, nicht allen / allem gerecht werden zu können). Aber alle Familien freuen sich wieder sehr auf ein geregeltes Alltags- und Schulleben…
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